19. KAPITEL – Gedanken . Die Fliege – Zauber und Magie

François erkundigt sich beim Frühstück nach dem Erfolg der von Akamouk und mir unternommenen Kamelsuche. Ich erzähle ihm von den Erlebnissen und von der durch eine Düne verschütteten Siedlung, die mein Mitgefühl für die armen vom Sand vertriebenen Menschen erweckte. Er meint, das sei eine typisch europäische Betrachtungsweise solcher Ereignisse. Der Wüstenbewohner betrachtet das als Kismet, das erspart ihm viel Aufregung. Dazu sind die Bewohner dieser Oasen Halbnomaden und emotional nicht an Orte gebunden. Sie suchen in den Weiten der Sahara eine andere Stelle, die ihnen das zum Überleben notwendige Wasser und genügend Nahrung für ihr Vieh bietet. Eine derart gewaltige Wanderdüne ist als unaufhaltsame Katastrophe für jeden sichtbar und abzuschätzen. Die Bewohner eines dem Untergang geweihten Dorfes wissen das und können rechtzeitig Vorkehrungen treffen. Obwohl der Sand mit dem drohenden Wandel des Klimas nichts zu tun hat, vergleicht François die im Grunde verschiedenen Faktoren miteinander. Die Afrikaner, egal welcher Hauttönung, die sich ihre natürlichen Sensoren trotz des kolonialistischen Einflusses bewahrt haben, ahnen vielfach was auf sie zukommt. Im Fall des wandernden Sandes können sie das Herannahen des Unvermeidlichen sehen, ja greifen. Bei uns liegt die Sache anders. Wir sind in unseren Kulturkreisen ausschließlich auf Informationen bezahlter oder freier Wissenschaftler angewiesen. Die liegen in ihren Aussagen weit auseinander, so dass sich Unsicherheit und Sorgen aufbauen.    

François ist so richtig in Fahrt, er kommt zu meinem Tisch herüber, an dem ich das Frühstück in Ruhe verzehren will. Ich genieße den hervorragenden Ziegencambembert, den Michelle nur selten herausrückt, weil der Transport dieser Köstlichkeit hierher schwierig und kostspielig ist. Der alte Pied noire macht sich Sorgen um Europa, denn er verbringt viel Zeit mit Radiohören und kann einige Fernsehsender über Satellit empfangen. Obwohl über Jahrzehnte von arabischer Kultur umgeben, ist er Franzose geblieben. So  meint er, dass verschiedene Umweltorganisationen radikale Züge annehmen. Sicher nicht ohne Absicht wurden die beiden, zwar nahe beieinander liegenden, dennoch unterschiedlichen Themen Umweltschutz und Klimawandel zu Klimaschutz zusammengezogen. Weltweit werden nach dem Vorbild der ehemaligen Kulturrevolution in China ungezügelte Demonstrationen organisiert. Die durch den natürlichen Klimawandel ausgelösten Katastrophen bringt man mit den durch die Menschen herbei geführten oder verstärkten Unregelmäßigkeiten in der Natur in Verbindung. Inzwischen ist Michelle aus der Küche gekommen. Sie hört eine Weile zu und verdreht hinter seinem Rücken ihre Augen zu einem unsichtbaren Himmel. Den Redeschwall unterbricht sie mit der Mitteilung, dass ein paar Lebensmittel zur Neige gingen, die bestellt oder in Bordij Mokhtar eingekauft werden müssten. Das sollte mir den Rest der Mahlzeit in Ruhe ermöglichen. Im Weggehen wirft mir François die Bemerkung hin, dass es sicher von Bedeutung sei, dass man heranwachsende Mädchen und junge Frauen als Galionsfiguren für diese Bewegung heranzieht. Mit dem von ihm angesprochenen, aber nicht aufgelösten Thema lässt er mich bedrückt und gedankenvoll sitzen und verschwindet. Also schweige ich. Freilich, er hat genauso während seines eruptiven Vortrags nicht um meine Stellungnahme gebeten. Michelle meint entschuldigend, ihr Mann würde täglich Fernsehen und es gäbe niemand, dem er sich mitteilen könnte. Ich widme mich den Resten des Frühstücks, dabei fällt mir auf, dass sich die „Wilden“ Afrikas diesen Problemen wesentlich pragmatischer nähern, als die „Zivilisierten“ Europas. Afrika war der erste Kontinent, der dem beginnenden Klimawandel mit langen Perioden der Dürre und abwechselnd Überschwemmungen ausgesetzt war. Zuerst machte er sich in Eritrea und Äthiopien bemerkbar, später in Somalia und den Sudanstaaten. Von Ostafrika bewegten sich die Katastrophen gegen Westen, die am schwersten betroffenen Gebiete lagen und liegen in der Sahelzone, die sich wie ein Gürtel über den gesamten Kontinent zieht. Die Dürreperioden trafen die   besonders hart. Kolonialmächte und einflussreiche Kunstdüngerfirmen hatten gemeint, ihre jeweiligen Länder mit Getreidesorten beliefern zu müssen, die zwar in gemäßigten Klimazonen mehr Ertrag bringen, für Afrika dagegen nicht ausreichend widerstandsfähig sind. Damit wurden schrittweise die ursprünglichen wetterresidenten Sorten nahezu ausgerottet. Die neu eingeführten Getreide müssen jedes Jahr frisch gesät werden, was für die afrikanischen Bauern wegen der hohen Kosten unerschwinglich ist. Seit einiger Zeit sät man die bodenständigen Getreidesorten wieder, da sie Dürreperioden ein paar Jahre unbeschadet überstehen können. Darüber hinaus hat man vor zehn Jahren begonnen im gesamten Sahelgebiet Millionen Bäume zu pflanzen, in der Erwartung damit Feuchtigkeit anzuziehen. Ein wissenschaftlich absolut begründetes Verfahren. Es war ein Völker und Staaten übergreifendes Unternehmen, bei dem allerdings der Erfolg im erhofften Umfang ausblieb. Man verlegt sich zurzeit mit guten Aussichten darauf, kleinere überschaubare Gebiete zu bewalden. Die Bauern, die solches realisieren, werden von staatlicher Seite in der Absicht unterstützt, in einigen Jahren von jenen Grünzellen aus, die gesamte Sahelzone wieder fruchtbar zu machen.

In Gedanken verloren begebe ich mich die Stiege hinauf in das Refugium. Über die emotional geprägten Worte von François bin ich verärgert. In solcher Stimmung kann man nicht schreiben. Somit lasse ich mich auf mein Bett fallen und verfolge mit den Augen eine Fliege, die auf der Zimmerdecke herumkrabbelt. Sie läuft aufgeregt im Zickzack, gelegentlich hebt sie mit Gebrumm ab, um gleich darauf wieder zu landen und ihre eckigen Krabbelbewegungen fortzusetzen. Meine Sympathien sind bei dem munteren Insekt. Diese Spezies hat mehrere Millionen Jahre trotz wechselnder Eiszeiten, Hitzeperioden mit Überschwemmungen und Trockenzeiten überlebt. Zeiten, in denen viele Arten ausgestorben sind.

Ein wesentlicher Grund für meinen Aufenthalt hier ist abhandengekommen. Die Fahrt in die Wüste war von Überlegungen geleitet, weit weg von solchen Ereignissen und medialen Nachrichten in abgeschiedener Ruhe an den Erinnerungen zu arbeiten, diese niederzuschreiben und dadurch gewisse Selbsterkenntnis zu erfahren. An Unerreichbarkeit, und damit uneingeschränkte Selbstbestimmung ist in unserem Zeitalter der allgemeinen Kontrolle nicht einmal hier mehr zu denken. Die von François in seinem gefühlsbetonten Ausbruch behandelten Themen betreffen weltumspannend Mensch und Tier. Sogar hier in der Abgeschiedenheit gibt es davon kein Entkommen. Über diesem Grübeln nicke ich ein. Kitzeln im Gesicht setzt dem Schläfchen nach einigen Minuten ein Ende. Die Fliege hat den Ort ihrer Emsigkeit auf mich verlagert, sie scheint Geschmack an mir gefunden zu haben. Mehrmals verscheuche ich sie, sie bleibt ein Weilchen weg, um sich gleich darauf mit Gebrumm wieder auf meiner Stirn niederzulassen. Dieses Spielchen wiederholen wir öfters, wobei die Abstände zwischen Flucht und Wiederkommen immer kürzer werden. Sie testet die Schnelligkeit meiner Reaktionen. Da der Kampf gegen die Fliege aussichtslos erscheint, begebe ich mich zum Arbeitstisch, starte den Computer und möchte zu schreiben beginnen. In bewährter Sitzposition sollten Konzentration und Kreativität von selbst kommen. Endlich finde ich eine ausgezeichnete Formulierung für den Beginn des Kapitels, da berührt meine Hand, welche die Computermaus führt, ein zarter Luftzug. Die Fliege landet auf meinem Handrücken. Eine kurze Bewegung vertreibt die „musca domestica“. Alles was Recht ist, aber bei der Arbeit ist solch ein Besuch ausgesprochen lästig. Sie macht sich nicht die Mühe weit wegzufliegen, sie kommt in Abständen von Sekunden wieder und wieder. Meine Konzentration und die lange gesuchte Formulierung sind weg. Langsam ergreift Ärger von mir Besitz, und ich beschließe, das anhängliche Biest zu fangen. Ich kann das, Fliegen mit einer überraschenden Bewegung von rückwärts zu erwischen, ohne sie zu verletzen, in der geschlossenen Faust nach draußen zu transportieren und in die Freiheit zu entlassen. Diese Fliege will sich nirgends woanders, als auf meiner rechten Hand niederlassen. Als Rechtshänder ist es unmöglich Fliegen, noch dazu derart intelligente, mit der linken Hand zu erwischen. Wie zu erwarten, landet sie wieder und beginnt genüsslich Nahrung von meiner Haut zu saugen. Sie muss eine schmackhafte Stelle gefunden haben, denn ihr winziger Rüssel bewegt sich saugend wie wild auf und ab. Sie merkt vor Begeisterung über das Festmahl nicht, wie ich behutsam mit ihr zur Türe gehe. Langsam drücke ich die Türschnalle mit der linken Hand hinunter, trete einen Schritt hinaus, schüttle mit einer heftigen Bewegung den Quälgeist ab. Lautstark fällt die Türe ins Schloss, und ich genieße den Erfolg wieder ganz allein zu sein. Habe ich bereits erwähnt, dass dieses Tier intelligent ist? Auf jeden Fall summt sie trotz meiner taktisch genialen Aktion weiter bei mir im Zimmer herum. Doch scheint sie begriffen zu haben, dass ich sie, zumindest bei der Arbeit nicht auf mir haben möchte. Jetzt macht sie dort oben wieder ihre Lauf- und Flugübungen. Ihr Summen wirkt erneut beruhigend auf mich, die Konzentration kehrt zurück und ich hacke meine Sätze in den Computer. Sie stattet dem Bildschirm einen kurzen Besuch ab, hinterlässt eine winzige Fäkalie als i-Punkt, wo keiner hingehört, und verschwindet aus Reichweite. Ob das ihre Art Kritik an meiner Arbeit ist?

Die Versunkenheit ins Schreiben und die bewegenden Erinnerungen an die tief beeindruckenden Ereignisse aus mehreren Jahrzehnten, lassen mich Raum und Zeit vergessen. Es ist spät am Nachmittag, die Fliege hat aufgehört zu summen und absolute Stille umfängt mich. Vielleicht ist meine Zimmergenossin müde geworden, oder am Ende ihres kurzen Lebens angekommen. Apropos Leben, ich mache mir Sorgen um Akamouk, er ist schon zwei Tage unterwegs, und blicke in die Richtung, aus der er kommen sollte. Wenn er bis morgen früh nicht da ist, werde ich losfahren, um ihn zu suchen.

Junger Targi auf schönem Mehari

Unter den zahlreicher werdenden Gästen aus der näheren und weiteren Umgebung von Begouriou Tondo Kangé konnte ich einen Marabut wiedererkennen, der in Téra, beim Fest zum Ende des Ramadans vor gläubigen Moslems gepredigt hatte. Weder Yabila, der Fetischeur, noch der Häuptling des Dorfes waren zu sehen. Den Himmel überzog eine Dunstschicht, die zwar wie ein Streufilter wirkte und die Kontraste milderte, doch die Intensität der Sonnenstrahlen nicht verhinderte. Das Blech des IFA erhitzte sich so sehr, dass man Eier drauf hätte braten können. Unter den wallenden Gewändern und Boubous dampfte es, die Gesichter waren nass von Schweiß. Der den schwarzen Afrikanern eigene, ausgeprägt süßliche Geruch verbreitete sich über den Platz. Ich hatte keine Zeit weitere Beobachtungen anzustellen, denn ich musste meine Arbeitsgeräte zusammenstellen. Einer der beiden schweren Akkumulatoren und die Kiste mit dem Einankerumformer stellte ich neben das Auto, auf den Rücksitz das Magnetophon und die Messgeräte, den Voltmeter und den Zungenfrequenzmesser. Alle diese Geräte mussten in der richtigen Reihenfolge aneinander angeschlossen werden. Vor allem der Frequenzmesser war von entscheidender Bedeutung, weil das Tonbandgerät empfindlich auf Schwankungen mit Störgeräuschen reagierte. Schließlich war alles aufgebaut, der Probelauf fiel zu meiner Zufriedenheit aus. Banjou zeigte sich an Technik interessiert und hat mir beim Ausladen geholfen. Er brachte es fertig die Menge davon abzuhalten mir die Sicht zum Geschehen zu verstellen und eine Gasse für das am Boden schleifende Mikrofonkabel frei zu machen. Wie er das schaffte, wusste ich nicht, wahrscheinlich hat er den Leuten erzählt, ich sei ein weißer Zauberer. Der eingehaltene Respektabstand sprach für diese Annahme. Ich stieg wieder aus dem, trotz der offenen Fenster aufgeheizten Wagen. In dem Moment erschienen die ersten Hole N’Keinas, die Geistermusiker. Sie hatten Zugtrommeln, mit Schlangenhäuten bespannte Godijehs, das sind Streichinstrumente, die entfernt an unsere mittelalterlichen Gamben erinnern, und mit einem Bogen ähnlich gespielt werden. Daneben waren noch in den Erdboden eingelassene Hälften von Kalebassen. Die wurden mit speziell zusammengeflochtenen handlichen Besen geschlagen und verliehen der Begleitmusik einen ausgefallenen Reiz. Kopecky streunte am Platz herum und machte Fotos. Das Fest, das sicher einmalige Szenen bot, sollte erst beginnen und er verschwendete vorher bereits kostbares Filmmaterial? Es wurde plötzlich ganz still rundum, nur ein Hahn krähte aus der Ferne. Yabila erschien. Groß, schlank, aufrechte Haltung wie ein General der KuK-Armee. An der Spitze des Kinns deuten ein paar weiße Haare einen Bart an. Unter dem dunkelblauen Überwurf der Touareg blitzte sein weißer Boubou an der Seite hervor. Am Kopf trug er eine Mütze, ähnlich einer übergroßen Baskenmütze. Sich des ihm entgegengebrachten Respektes bewusst, strahlte er hypnotische Kraft aus. Begleitet wurde er von Frauen in weiten weißen Gewändern. Diese Gruppe übte dienende und schützende Funktionen aus. Sie waren an ihren Frisuren, die aus unzähligen Zöpfchen bestanden, zu erkennen.

Yabila, der große Fetischpriester

Mit dem Erscheinen Yabila’s begannen die Hole N’Keinas ihre Zugtrommeln zu bearbeiten.

Hole N’Keina (Geistermusik)
Hole N’Keina (Zugtrommel)

Sobald der Zauberer mit Gefolge bei ihnen Platz genommen hatte, steigerte sich das Tam-Tam. Ich lief sofort zu meinen Geräten, startete den Umformer. Da kam auch schon der aufgeregte Mackie und holte das Mikrofon, ein AKG D 12, ab. Auf dem von der Menschenmenge freigelassenen Platz begannen sich vier Frauen langsam in gemessenen Schritten zu bewegen. Es waren die „Hole Tams“, die Geisterpferde. Hole heißt Geist und Tam ist das Pferd. Das waren Yabilas Medien, durch sie sollten die mächtigen Geister sprechen. Lange Zeit geschah nichts besonderes, lediglich die Tam-Tams wurden schneller und das gemessene Schreiten zum Tanz. Die Mittagshitze wurde stärker, die Hole Tams tanzten in der prallen Sonne. Der Füße der immer rasanter und wilder werdenden Medien wirbelten derart dichten Staub auf, dass ich in Sorge um meine Geräte die Fenster des Autos fest verschließen musste. Die Tänzerinnen beugten im Rhythmus der Trommel ihre Körper, rissen die Arme in die Höhe und nach rückwärts. Sogar die Umstehenden blieben von der Wirkung der Musik und dem wilden Tanz nicht verschont. Unruhig bewegten sie sich, vereinzelt wurde in die Hände geklatscht, alle Gespräche untereinander hatten aufgehört. Die Menschen standen voll im Bann des Geschehens.

Hole Tam (Geisterpferde)

Weil Banjou die Gasse für das Mikrofonkabel von Menschen freihielt, konnte ich das Geschehen mitverfolgen. Über eine Stunde änderte sich nichts, außer dass Rhythmen und Tanz immer rascher wurden. Yabila saß die gesamte Zeit stumm inmitten seiner Gehilfinnen, ignorierte die sich wild bewegenden Gestalten und blickte starr vor sich auf den Boden.

Yabila scheint teilnahmslos u. Kalenasse

Die Hitze begann unangenehm zu werden, die Medien keuchten außer Atem, doch ihre Augen waren zurzeit noch klar. Ein Mann in ein langes weißes Gewand gekleidet mischte sich mit ebensolchen Bewegungen unter die Tänzerinnen. Die Hole N’Keinas bearbeiteten ihre Zugtrommeln wie rasend und wurden lauter und schneller, ohne auf deren Bespannung Rücksicht zu nehmen, die ebenso an ihre Grenzen zu stoßen schienen, wie meine Technik. Ich kam mit Aussteuern kaum nach, das „Magische Auge“ befand sich fast ständig im Bereich des Übersteuerns. Die Tonbänder von BASF hielten das jedoch zu meiner Freude aus, hatten ausreichend Headroom und waren absolut tropenfest. Einer der Geistermusiker trennte sich von seinen Kollegen, begab sich in die Nähe der wild Tanzenden und begann sie in singendem Ton laut zu beschwören. Das war ein professioneller Sänger und Lobpreiser, der mit kräftiger Stimme in unzähligen überlieferten Strophen die Medien in ihrer Ekstase unterstützten.

2. Priester

Die Medien schleppten ihre Körper durch die Gluthitze, die auch mir, eingesperrt in das glühend aufgeheizte Auto schwer zu schaffen machte. Nichts Menschliches war mehr an ihnen, die Gesichter qualvoll verzerrt und sie stöhnten wie unter Schmerzen. Statt der verstummten Zugtrommeln begannen die Godjes und die Hole N’Keinas schlugen die Kalebassen in durchdringenden, ungewöhnlichen Rhythmen. Jetzt erhob sich Yabila, der berühmte Zauberer, warf theatralisch einen Teil seines blauen Umhangs über die Schulter und begab sich langsam auf die Tanzfläche. Ihm folgten zwei Priesterinnen. Er stand gegenüber dem Sänger der Louagen und begann mit heiserer, dabei eindringlicher Stimme die Geister, vor allem Zaberi, dem Gott der Flüsse und des Wassers, zu zitieren:

„Du, die du die Augen krank hast, du wirst Feuer sehen können!“

„Du, beruhige dich, Zaberi zuliebe, der dein Vater ist!“

„Du, die du das Meer mit der Stange misst, schätze nicht, ohne  vorher gemessen zu haben!“

„Du hast die Zähne faulend, aber du wirst Steine essen können!“

Hole Tam
Hole Tams in Trance

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.