14. KAPITEL – Kamelritt -Beginn der Sahelzone – Jagdversuche

Wir haben beim Frühstück Besuch von Akamouk, der den Wirtsleuten mitteilt, dass er und Iyad in den nächsten Tagen in ihre Heimatgegend im Hoggar aufbrechen wollen. Das bedeutet einige Tagesritte durch die Wüste. So einen Trip mitzumachen war schon immer mein Wunsch, nicht nur des Erlebens willen, sondern um besser verstehen zu können, wie Nomaden in der Einsamkeit leben und was sie prägt. Trotz der mir selbst auferlegten Pflicht, meinen Lebensweg schriftlich zu dokumentieren, würde ich diese Gelegenheit gerne wahrnehmen. Ohne zu zögern frage ich ihn, ob ich mitkommen könne. Er reagiert positiv und ich habe zwei Tage Zeit zur Vorbereitung. Ungläubig schütteln Michelle und François ihre Köpfe über mein Vorhaben, verstehen mich aber grundsätzlich.

Der Tag des Aufbruchs ist gekommen. Das Morgengrauen schiebt sich bis in die letzten Winkel des Hofes der Auberge du Soleil, in dem die bereits fertig gesattelten und beladenen Kamele liegen. Die Sterne verblassen am schnell heller werdenden Himmel. Kälte kriecht unangenehm am Hals und bei den Handgelenken unter meine Kleidung. Im Hof selbst ist es noch recht dunkel, der sparsame François hat das Stromaggregat nicht angeworfen, immerhin scheint aus der Küche trübe ein von der Photovoltaik gespeistes Licht. Dort bereitet die gute Michelle Proviant für unsere Reise vor. Das mir zugewiesene Reittier erkenne ich an den nicht aus Afrika stammenden Decken, die man mir am Sattel festgebunden hat. Karl Mays Kara-ben-Nemsi hat sein treues Pferd Rih stets mit einer Handvoll Datteln belohnt. Deshalb denke ich, dass ich auf gleiche Weise mit dem edlen Mehari Freundschaft schließen kann, das mich die nächste Zeit durch Wüste, Sturm und Sand tragen soll. Ich gehe also offenen Herzens und mit den süßen Früchten auf der Hand direkt auf das Tier zu. Ich weiß, dass Kamele kräftig beißen und Menschen gefährliche Wunden zufügen können, überwinde meine Bedenken und nähere die auf flacher Handfläche ausgebreitete Gabe seinem Maul. Da dieses Kamel keinen Namen hat, spreche ich dabei einschmeichelnd mit leiser und tief gehaltener Stimme beruhigende Worte. In von mir nicht erwarteter abwehrender Reaktion brüllt das Vieh gurgelnd und reißt seinen Kopf mitsamt dem langen Hals rasch zur Seite. Erschrocken springe ich einen Satz rückwärts. Misstrauisch beäugt es mich mit einem Auge von oben herab. Durch das Gebrüll aufmerksam geworden, kommt Akamouk sofort herbei, das Kamel schwenkt den Kopf wieder in die gewohnte Lage und genießt zufrieden die ihm zuteilwerdenden Streicheleinheiten. Ob der Targi dabei überheblich lächelt, kann ich wegen seines hochgezogenen Tegelmust zum Glück nicht erkennen.

Zugegeben, die rüpelhafte Abweisung meines wohlgemeinten Angebots zur Freundschaft hat mich in der Seele verletzt. Sollte diese offensichtliche Aversion während der nächsten Tage engen Zusammenlebens bestehen bleiben, könnte die Reise schwierig werden, denke ich sorgenvoll. Ich wende mich Michelle zu, die uns drei Päckchen mit liebevoll zusammen gerichteten Lebensmitteln in den Hof bringt. Meines ist etwas größer als die der anderen, wozu sie erklärend meint, dass mir die einfache Kost der Touareg vielleicht nicht zusagen würde. Noch immer sauer auf dieses ungebildete Tier, das mich durch ein gewaltiges Stück Wüste tragen soll, steige ich in den Sattel, natürlich wieder von heftigen lauten Unmutsäußerungen des Kamels begleitet. Akamouk gibt einen Befehl, ruckelt am Zaumzeug und das Mehari hebt sich, indem es seine Vorderbeine zur Hälfte streckt, sodass ich vermeine nach hinten zu rutschen. Ich ergreife rasch das Kreuz am Sattel und muss ich mich schon daran festhalten, denn ich werde nach vorne geworfen, gefolgt von einem weiteren schnellen Heben vorne, das mich beinahe wieder rückwärts aus dem Sattel katapultiert. Bilder von texanischen Stierrodeos tauchen kurz in meiner Erinnerung auf. Dann sitze ich hoch oben auf einer Waagrechten und das Kamel sieht sich nach mir um, wahrscheinlich in der Hoffnung mich abgeworfen zu haben. Ich zeige ihm den Stinkefinger, was bei den Größendimensionen eines Dromedars wohl eher eine lächerliche Geste darstellt.

Die kleine Karawane setzt sich in Bewegung, François und Michelle stehen beim Tor und winken uns zum Abschied. Wir verlassen die Auberge, erst Akamouk, dann ich, und Iyad macht den Schluss die zwei Lastkamele an einem Seil führend. In dieser Reihenfolge bleiben wir am Rand der Piste. Die Kühle des Morgens wird durch einen kalten Lufthauch unterstrichen. Mein Reittier geht friedlich hinter dem des Akamouk her, ich habe nichts anderes zu tun, als zu sitzen und zu schauen. Nach einigen Kilometern biegt Akamouk unvermittelt in die freie Ebene ab. Bis jetzt decken sich meine Vorstellungen über die Reise mit dem gegenwärtigen Geschehen. Außer dem leisen Stapfen der Kamele und regelmäßigen Schaben eines Gepäckstückes an den Aufhängungen herrscht angenehme Stille. Nach und nach versinke ich in diesem Meer aus Ruhe und den gleichmäßig schaukelnden Bewegungen des Meharis. Über lange Strecken übernimmt vollkommene Ausgeglichenheit meine durch die Normen unserer industriellen Zivilisation und Kultur gewohnten Zeitdruck gequälte Seele. Die Sonne steigt höher und wärmt so kräftig, dass ich mich der dicken Jacke entledige und sie zusammengerollt über den Sattel lege. Der Hut mit der breiten Krempe dient mir als Sonnenschutz. Es ist recht wohltuend, dass Akamouk um die Mittagszeit die Karawane anhält. Er bringt, nachdem er selbst abgestiegen, auch mein Reittier zum Niederlegen. Die gleichen Übungen des Gleichgewichts wie beim Aufstehen heute Morgen laufen in umgekehrter Reihenfolge ab. Die beiden Touareg legen ihre Schwerter, Akamouk dazu den Karabiner, den er am Riemen quer umgehängt trägt, auf den Boden und fachen aus mitgebrachten Holzzweigen ein Feuer an. Die unvermeidliche Zeremonie des Teemachens beginnt. Nach dem über Stunden dauernden Ritt bemerke ich erstmals, wie wohltuend die Wirkung dieses Gebräus ist. Da wir keinem Zeitdruck unterliegen, genießen wir den Tee langsam schlürfend in kleinen Schlucken. Anschließend daran findet das Reinigen und Wegräumen der Utensilien mit ruhigen und gemessenen Bewegungen statt, ebenso der neuerliche Aufbruch. Wir reiten noch einige Stunden, und halten erst, da sich die Sonne dem Horizont nähert. Im Windschatten größerer Felssteine schlagen wir unser Nachtlager auf. Nachdem die Kamele von ihrer Last befreit sind, öffnen wir die von Michelle liebevoll gerichteten Proviantsäcke und genießen die belegten Brote. Es folgt der selbstverständliche Tee. Eine Beteiligung an den Gesprächen, welche die Zeremonie normal begleiten, ist mir heute zu mühsam, ich bin einfach zu müde dazu. Ich ziehe mich zurück auf mein Feldbett, die beiden Touareg kuscheln sich in ihre Decken und nehmen die Kamelsättel als Kopfstütze.

Bis zu unserem Ziel haben wir noch einige Tage vor uns, Akamouk ist in diesen endlosen Weiten der Sahara ein verlässlicher Führer. Sterne, Sonnenstand und Sandbeschaffenheit lassen ihn untrüglich den Weg finden, an dem die lebensnotwendigen Wasserstellen liegen. Es ist erstaunlich, wie viele Tiere in der Wüste leben. Von meinem erhöhten Sitz auf dem Mehari kann ich sie so direkt wie nie zuvor beobachten, denn sie flüchten kaum vor uns. Kommen wir ihnen zu nahe, stellen sie mit ein paar schnellen Bewegungen ihren natürlichen Sicherheitsabstand zu uns her und lassen sich nicht weiter stören. Antilopen, Gazellen, Wüstenfüchse und -mäuse, Eidechsen, sowie zwei Hornvipern bleiben völlig unbeeindruckt bei ihren jeweiligen Tätigkeiten. Aus nicht ersichtlichen Gründen gehen wir bestimmte Strecken zu Fuß und führen unsere Tiere an einer Art Zaumzeug. Das scheint meinem unleidlichen Kamel zu gefallen, denn es brüllt nicht mehr, wenn ich mich ihm nähere und frisst sogar den dargebotenen Hafer aus der Hand. Datteln bekommt es keine, weil die habe ich inzwischen mit Genuss selbst verzehrt.

Mein Gefühl für Zeit richtet sich kaum noch nach der Armbanduhr, sondern wird durch die natürlichen Umstände bestimmt. Es mag daran liegen, dass hier Zeit nicht in Geld umgerechnet wird, wie man es aus Europa gewohnt ist. Nicht die Zeit, welche die mechanische Uhr uns diktiert, muss die richtige sein, es scheint daneben eine andere Einteilung zu geben, die nicht in Sekunden, Minuten und Stunden zerhackt die Lebensqualität der Menschen beherrscht. Solche und ähnliche Gedanken begleiten mich während dieser Wanderschaft durch die Wüste, die allerdings nicht alle mit derartigen Erkenntnissen enden. Wir erreichen langsam die ersten Anhöhen und schroffen Berge des Hoggar. Es ist Mittag, wir folgen einer schmalen Piste, die sichtlich nicht sehr befahren ist, denn das „tôle ondulée“, das unvermeidliche Wellblech, hält sich in Grenzen. Sie führt zu einer Oase mit einigen Palmen und einem zwischen Felsen eingebetteten größeren Teich. Die Palmen tragen mickrige Datteln, die hauptsächlich aus Kernen bestehen. Eine Gruppe Schwarzer sammelt diese kaum genießbaren Früchte vom Boden auf. Weder ein Fahrzeug noch Lasttiere sind zu sehen, wie kamen die Menschen hierher? Sie scheinen sehr verängstigt zu sein. Ich bekomme auf meine Fragen Antworten in englischer Sprache. Sie kommen aus dem Norden Nigerias und sind aus wirtschaftlichen Gründen und Angst vor dem Boko Haram geflüchtet. Sie haben Schlepper bezahlt, die sie auf Umwegen bis hierhergebracht haben. Die haben sich aber in der Nacht mit dem Fahrzeug aus dem Staub gemacht, trotz des Versprechens, die Gruppe bis zum Mittelmeer zu bringen. Sie haben kaum Lebensmittel dabei und wollen zu Fuß weiter nach Norden. Nachdem Akamouk mir versichert, dass wir spätestens binnen zwei Tagen das Ziel unserer Reise erreichen werden, übergeben wir ihnen eine Gerba und alle für uns voraussichtlich nicht mehr notwendigen Lebensmittel. Akamouk versucht den Leuten die Merkmale in der Landschaft zu erklären, an die sie sich halten müssen, um die Transsaharastraße in wenigen Tagen zu erreichen.

Die Mittagssonne heizt den Sand und die Steine stark auf. Nach den Tagen, in denen Wasser ausschließlich zum Trinken und Tee kochen verbraucht werden durfte, gab es keine Körperpflege und ich spüre das Verlangen im Teich zu baden. Am gegenüber liegendem Ufer nehmen die Kamele Wasser auf. Der See ist glasklar und von angenehmer Temperatur, also steige ich hinein. Ich wate durch den bis zur Brust reichende See bis in die Mitte vor und spüre dort an den Füßen, wie wunderbar kühles Wasser mit Druck aus dem Boden quirlt. Das muss die Quelle sein, die den See speist. Meine zwei Reisegefährten bereiten inzwischen Tee und halten mich für wenn schon nicht verrückt, so vermutlich doch für ziemlich seltsam. Ich fühle mich nach dem Bad extrem wohl und frisch. Die Teegläser werden im See gewaschen und wir brechen auf, um unsere Reise wieder fortzusetzen. Im Sattel sitzend und geschaukelt, schreibe ich in meinen Notizblock weitere Erinnerungen an die erste Afrikaexpedition:

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Begegnung mit einer Familie der Touareg im Hoggar

Unsere Autos waren auf den Pisten der Sahara extrem in Mitleidenschaft gezogen worden und mussten repariert und überholt werden. Wir nutzten die Gelegenheit bei der Mer – Niger die Reifen des Père Ubu fachgemäß flicken zu lassen. Walter konnte den Stoßdämpfer des IFA wieder halbwegs selbst in Stand setzen. Hans Kopezky wollte seine erste Jagdtrophäe, den tatsächlich schönen Kopf der Gazelle, unbedingt nach Hause bringen und bestand auf dessen Mitnahme. Er meinte, dass das trockene Wüstenklima das Fleisch von dem Schädel rasch abfallen lassen würde. Beispiele dafür hätte man ja im Sand der Sahara mehrfach angetroffen. Also banden ihn Walter und Hans auf das Dach des IFA und hofften auf schnellen Erfolg durch den trocknenden Fahrtwind. In Tessalit gab es einen französischen Flugplatz, die dort stationierten Flieger luden uns auf ein Bier ein, was wir nicht ausschlagen konnten. Gestärkt und guten Muts begaben wir uns am Abend wieder auf die Piste in Richtung Anefis. Nach Tessalit gegen Süden begann allmählich die Sahelzone, der Bewuchs mit Sträuchern wurde etwas dichter, Flächen von verdorrtem Steppengras weiteten sich aus. Es wurde Nacht und wir suchten einen Lagerplatz. Abseits der Piste fanden wir eine geeignete Stelle. Kopezky hatte Hunger und zündete zum Kochen ein kleines Lagerfeuer an. Was er besser unterlassen hätte, denn das trockene Gras um uns begann zu brennen und war nicht mehr zu löschen. Fluchtartig verließen wir den brennenden Busch um einige Kilometer weiter neuerlich ein Lager aufzuschlagen. Ohne Lagerfeuer. An Schlaf war noch nicht zu denken, denn der Kopf der Gazelle stank erbärmlich und Hans musste ihn im Geäst eines entfernten Gesträuchs bis morgen deponieren. Es wurde wieder eine unglaubliche Nacht unter einem überwältigenden Sternenhimmel. Man konnte schon den Stern des Südens sehen und ein Flugzeug kreuzte blinkend in großer Höhe von Nord nach Süd. Ich ertappte mich bei der Vorstellung sauber gewaschen und gut riechend darin zu sitzen, ich hörte das Knacksen der Eiswürfel in dem beschlagenen Whiskyglas, das mir eine freundlich zulächelnde Hostess reichte. Ich versuchte diese Halluzination zu vertreiben und lieber dem Jaulen und Kläffen der immer näherkommenden Schakale zuzuhören. Zweifel am Sinn unseres Unternehmens und an meinem Entschluss, Europa zu fliehen, wurden durch die Gewalt der Schönheit dieser Nacht schnell vertrieben.

Leider hatten die Schakale kein Verständnis für Trophäenjäger und transportierten in der Nacht den wunderschönen Gazellenschädel aus Kopezkys ersten Jagderfolg unauffindbar weit weg in die Steppe. Ein Umstand, der bei ihm für Verstimmung sorgte, bei den anderen aber höchstens zu hämischen Mitleidbezeugungen Anlass gab. Die Piste führte uns nach Bourem, der ersten Ansiedlung am Niger nach der Wüste. Es war drückend heiß, als wir über einen Abhang kommend den langsam dahinströmenden Strom sehen. Wir konnten die Araber verstehen, die bei diesem Anblick den Niger als „das Meer“ bezeichneten, nachdem sie mit ihren Kamelen in monatelangen Ritten die Sahara durchquert hatten. Auch uns gab dieses Panorama ein Gefühl des Glücks und der Genugtuung darüber, dass wir unser Ziel trotz unzähliger technischer Pannen erreicht und über unsere eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten gesiegt haben. Dem Flusslauf folgend fuhren wir auf der Piste nach Gao, der zweitgrößten Stadt Malis. Die Reparatur einer Ölleitung hielt uns auf, weshalb wir bei enormer Hitze erst zu Mittag auf der breiten, aus roter Erde bestehender Route National Nr. 8 zum Zentrum strebten. Wir fielen in das nächste Hotel ein und feierten uns in der klimatisierten Lobby mit mehreren Flaschen eiskaltem Bier. Mackie versuchte mit all seinem Charme die Hoteliers zu überreden, uns einige Nächte kostenlos Quartier zu gewähren. Angesichts des ziemlich desolaten Zustandes unserer Kleidung und wegen Wassermangels ausgebliebener Körperpflege, fand diese Kraftanstrengung taube Ohren. Wir suchten uns einen Lagerplatz bei einer Eingeborenensiedlung außerhalb der Stadt. Nicht zu nahe am Wasser, weil wir haben bereits den vermehrten Anteil von Moskitos an den lästigen Fliegen gemerkt. Wir beschlossen eine Ruhepause einzuschalten, denn die Wüste hatte uns so ziemlich alles abverlangt. Wir genossen die Pause mit der in diesem Gebiet üblichen trägen Zeitlosigkeit, die den Menschen hier so eigen ist. Die Bevölkerung setzte sich in friedlichem Nebeneinander aus Negriden und Tuareg zusammen. Die für uns noch ungewohnt hohen Temperaturen begünstigten diese Anpassung an das Klima.

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Zwei junge Touareg aus verschiedenen Klassen. Der Rechte trägt viele der „Kri – Kris“ Amulette, die Suren aus dem Koran beinhalten.

Die Ruhepause bedeutete aber nicht Untätigkeit. Die Auenlandschaft entlang des Flusses war wild, versumpft und der Niger suchte sich in zahllosen Armen um lang gestreckte Inseln herum seinen Weg nach Südosten. Wir überlegten uns, wie wir an die zahlreichen Wasservögel wie Reiher oder Kraniche herankommen und fotografieren könnten. Hans Kopezky war ein genialer Erfinder. Die Welt verdankte ihm nicht nur einen Ersatzverschluss durch einen Plastikbecher für einen verlorenen Deckel des Benzintanks, sondern auch die schwimmende Tarnluftmatratze. Unsere Semperit – Luftmatratzen hatten die Fähigkeit zu schwimmen und ausreichend Tragfähigkeit für einen Mann, solange sie ohne Loch waren. Da wir kein Boot besaßen, lag es nahe, die Matratzen mit Gras und Büschen zu umwickeln und damit zu tarnen. Mackie und Kopezky gingen solchem Gerät erfolgreich auf Fotojagd. Aber die Matratze von Mackie wurde bald undicht und er ging mitsamt der Konstruktion unter. Was seinen Unwillen derart hervorrief, dass er dieser spannenden Jagd auf Vögel endgültig ein Ende setzte. Mackie war so verärgert, dass er am Abend sogar darauf vergaß, die tägliche Wiedergabe von „River of no return“ (Marilyn Monroe), einzufordern.

Ein weiteres Fiasko bahnte sich an. Wir waren in Afrika angekommen, es war heiß, die Nächte von Moskitos gestört, um uns herum negride Bevölkerung, der Niger in greifbarer Nähe. Erzählungen zu folge soll dieser Fluss von Krokodilen verseucht sein, was uns dem Entschluss nahebrachte, die großen Reptilien zu jagen. Wir nahmen Kontakt zu einheimischen Fischern auf, die uns freundlich erklärten, wo solche Tiere zu finden wären. Dort fanden wir sie aber nicht, wodurch wir gezwungen waren, am Fluss lebende Führer anzuheuern. Die gingen mit uns in der Nacht und mit Taschenlampen bewährt am Ufer entlang, nahmen nach einiger Zeit den versprochenen Lohn, und verschwanden spurlos. Kein Krokodilauge blitzte, kein gezielter Schuss fiel, und wir mussten den Genuss der Delikatesse eines gekochten Krokodilschwanzes um Wochen verschieben. Sowohl Schlangen, als auch Vögel, die zu fangen wir dem Institut für Zoologie der Universität Wien versprochen hatten, entzogen sich unserem Eifer. Doch nicht alle Jagden blieben erfolglos. Die zum Verzehr benötigten Mengen wurden immer herangebracht. Wir erlegten Gänse, Ibisse, Kraniche und mitunter eine Gazelle. Natürlich war uns Diana nicht regelmäßig hold und wir mussten uns wieder mit angebrannten Palatschinken aus einem Gemisch von Mehl und Wasser begnügen.

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In martialischer Pose auf einem Termitenhügel mit Jagdausbeute.

Obwohl ich ein recht treffsicherer Schütze war, zumindest nicht schlechter als meine Freunde, konnte es auch mir geschehen, dass ich nur mit einem erlegten Täubchen von längerer Jagd zurückkehrte.

Zur Zeit der alten Königreiche entlang des Nigerstromes hatten deren Herrscher ein Kommunikationsmittel untereinander, die Troubadoure und Märchenerzähler. Die Dynastien verschwanden zum größten Teil, doch die fahrenden Sänger sind geblieben. In dieser Kommunikation gewohnten Zeit ziehen sie noch von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, erzählen Neuigkeiten und besingen Helden und Könige. Manche sind weit über die Grenzen ihres Landes hinaus berühmt. Von so einem erzählte man uns wiederholt, aber niemand konnte uns sagen, wo er sich im Moment aufhielt. Ich drang darauf ihn zu finden, denn ich wollte endlich meiner Aufgabe nachkommen und interessante Tonaufnahmen machen. Für die Suche brauchten wir funktionierende Autos. Schani und Walter versuchten mit dem IFA zu einer Werkstatt in Gao zu fahren. Sie kamen mit einem LKW zurück, der sie mitgenommen hatte, denn die Kupplung des IFA war komplett unbrauchbar geworden. Aber sie brachten die frohe Botschaft mit, dass wir gerade Ostern hatten! Nach zwei Tagen konnte der IFA repariert abgeholt werden. Wir begaben uns auf die Suche, um das Objekt meiner Begierde, den berühmten Troubadour Moise Yacouba zu finden. Der wurde wie ein Phantom angeblich einmal da, ein andermal dort gesehen, ganz sicher. Ein schier nicht zu bewältigendes Problem, das zu lösen uns eher anspornte, denn aufgeben ließ.

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